Pastor Jens Siebmann geht im Herbst in den Ruhestand. Dazu, wie es mit der Gemeinde weitergeht, hier Informationen zum Stand der Dinge:
So viel steht fest: es wird sich einiges verändern. Der Kirchengemeinderat hat schon vor Jahren klug und verantwortungsbewusst Pläne für die Zukunft gemacht. Wir hier vor Ort und im Pfarrsprengel waren da frühzeitig viel weiter, als man es anderenorts war.
Durch personelle Veränderungen, vor allem durch den Weggang von Timo Milewski, ist das Meiste unserer Pläne leider Makulatur, wir müssen uns der neuen Situation stellen.
Noch ist Vieles nicht klar, trotzdem an dieser Stelle ein Überblick über das, was wir jetzt schon wissen und darüber, was noch ungewiss ist:
1. Die Finanzen
Die Synode des Kirchenkreises hat das Zukunftspapier 2035 beschlossen. Die Auswirkungen sind immens: Die finanziellen Mittel für die Gebäudeunterhaltung werden demnach auf einige Zentren konzentriert. In der Wilstermarsch ist das Wilster. Alle anderen Gebäude werden vom Kirchenkreis nicht mehr unterstützt. Das gilt auch für die Kirchen.
Wir haben uns gegen diese Beschlüsse eingesetzt, aber die Synode hat demokratisch so entschieden.
Das bedeutet, unsere Gemeinde bekommt zwar weiterhin die Zuweisung der Kirchensteuermittel pro Kopf der Gemeindemitglieder, das sind rund 40 Euro. Das muss für alles reichen.
Bisher konnten darüber hinaus Mittel beantragt werden, wenn größere Maßnahmen anstanden. Wie zum Beispiel eine neue Heizung oder auch die Arbeiten an unserem Altar.
Diese Unterstützung gibt es jetzt nicht mehr, wir müssen also mit der Zuweisung auskommen - und uns um neue Finanzierungsmethoden kümmern, wenn wir unsere Gebäude halten wollen. Ein einfacher Weg wird das sicherlich nicht. Dazu später mehr.
2. Die Menschen
Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kirchengemeinde sind derzeit kein Thema, da dürfte sich kaum etwas ändern.
Aber eines greift ins andere: wenn das Pastorat vielleicht nicht mehr gehalten werden kann, weil wir größere Instandhaltungen nicht mehr bezahlen können, dann ist es ja fraglich, ob das Gemeindebüro dort noch sein kann.
Es könnte sein, dass auch das Gemeindebüro dann nur noch in Wilster ist. Unser Ziel ist natürlich, dass möglichst viel hier vor Ort bleibt, und das Gemeindebüro ist dabei ein wichtiger Punkt. Ob das so möglich ist, wissen wir zur Zeit noch nicht.
Die Kinder- und Jugendarbeit machen wir in der Wilstermarsch schon jetzt weitgehend gemeinsam und bekommen dafür auch erhebliche Zuschüsse vom Kirchenkreis. Ich schreibe „weitgehend“, weil Brokdorf und St. Margarethen zum 1.1.26 aus dieser gemeinsamen Arbeit aussteigen und sich nicht mehr beteiligen. Für die Jugendarbeit ist Andrea Niefert in Wilster angestellt, wir unterstützen diese Stelle mit einem kleinen finanziellen Beitrag. Zur Zeit macht Frau Niefert bei uns den Kindergottesdienst, wofür wir natürlich auch einen geeigneten Raum brauchen. Außerdem betreut sie die „kleinen Konfirmanden“.
Und die Pastorenstellen?
Was wir wissen: ich gehe zum 1. Oktober in den Ruhestand. Mehr dazu zu gegebener Zeit. Und dann?
Rechnerisch steht uns für die Wilstermarsch noch eine halbe Pastorenstelle zu - neben Pastor Pohl, der für Wilster zuständig ist (unterstützt von Pastor Dr. Schulz, der schon im Ruhestand ist) und Pastor Lempelius, der Brokdorf und St. Margareten betreut. Für mehr Pastoren sind wir inzwischen zu wenige evangelische Christen in der Wilstermarsch.
Der Kirchengemeinderat hat beschlossen, diese halbe Stelle für Wewelsfleth und Beidenfleth auszuschreiben, wie das offiziell heißt. Diese Stelle wird also in der Pastorenschaft angeboten.
Ob sich jemand für eine halbe Stelle interessiert, wird sich zeigen. Eventuell kann Propst Paar im Kirchenkreis Aufgaben für die zweite Hälfte finden, so dass es eine volle Stelle wird.
Es gibt also zwei Möglichkeiten: wenn sich ein Pastor oder eine Pastorin für diese halbe Stelle findet, wäre das sehr schön. Das würde viele Möglichkeiten eröffnen, damit die Arbeit hier im Dorf weitergehen kann.
Falls sich aber niemand bewirbt, müssen die verbleibenden Pastoren die Arbeit unter sich aufteilen. Von der Zahl der Gemeindeglieder wäre es so, dass Pastor Pohl Wilster betreut und Pastor Lempelius die 4 kleinen Dorfgemeinden. Wobei jetzt schon klar ist, dass er nicht in 4 Kirchengemeinderäten als Vorsitzender oder Stellvertreter arbeiten kann.
Er wäre dann auch für 4 Kirchen, 4 Kindergärten zuständig und überhaupt für 4 Dörfer mit allem, was dazugehört.
Was dann an Gemeindearbeit vor Ort geleistet werden kann, wird sich zeigen.
Das hängt auch wieder davon ab, welche Gebäude wir dann haben. Für den Kindergottesdienst brauchen wir zum Beispiel den Gemeindesaal. Man sieht: ein Thema greift in das andere.
Ein entscheidender Faktor ist der Kirchengemeinderat (KGR). Ende 2028 sind die nächsten Wahlen.
Werden sich dann Menschen finden, die sich zur Wahl stellen, um die Verantwortung zu übernehmen? Das ist eine entscheidende Frage!
Der rechtliche Rahmen in unserer Nordkirche ist so: Der KGR besteht aus mindestens 5 Personen, für die Wahl müssen sich mindestens 6 Menschen aufstellen lassen. Davon dürfen aber nicht unbegrenzt viele Mitarbeiter sein. Ein ehemaliger Pastor darf sich übrigens nicht zur Wahl stellen.
Wenn sich diese 6 Menschen finden, kann die Wahl stattfinden. Dieses Gremium muss sich dann unter anderem um die genannten Probleme mit der Finanzierung der Gebäude, neue Möglichkeiten der Finanzierung usw. kümmern.
Finden sich diese 6 Menschen allerdings nicht, dann gilt die Wahl als gescheitert. Der Kirchenkreis muss dann ein Gremium einsetzen, das letztlich die Auflösung der eigenständigen Gemeinde Wewelsfleth in die Wege leiten würde.
Auch die anderen kleinen Gemeinden werden voraussichtlich Probleme haben, eigenständige Kirchengemeinderäte aufzustellen, weil es nicht genügend Kandidaten gibt.
So sieht es wenigstens Stand heute aus.
Mag sein, dass diese Perspektive Menschen motiviert, sich für ihre Kirchengemeinde einzusetzen! Das wäre unsere große Hoffnung.
3. Die Gebäude
Die Kirchengemeinde Wewelsfleth hat die Kirche, das Pastorat und die Seniorenwohnanlage. Letztere ist außen vor, weil sie sich selbst trägt.
Die Kirche und das Pastorat, das übrigens in diesem Jahr 150 Jahre alt wird, sind gut in Schuss. Die Heizung in der Kirche haben wird gerade ausgetauscht.
Der Altar in der Kirche ist gerade wieder ausgebessert worden. Da spielt das große Thema Denkmalschutz mit hinein: es gibt nach wie vor viele Auflagen, die zu erfüllen sind. Bis sich der rechtliche Rahmen in dieser Hinsicht ändert, dürften erfahrungsgemäß Jahre ins Land gehen. Wenn sich überhaupt etwas ändert.
Die Heizung im Pastorat wird sicher noch ein paar Jahre laufen, ist aber irgendwann auch „fällig“.
Der „Normalbetrieb“ ist also gesichert. Problematisch wird es, wenn größere Maßnahmen notwendig werden, zum Beispiel das Dach. Oder wenn der hölzerne Kirchturm gestrichen werden muss. Dafür reichen unsere Rücklagen nicht aus.
Das heißt konkret für die Kirche: wir müssen wie gesagt neue Geldquellen suchen. Ob und wie sich die Kommunalgemeinde beteiligen könnte, wird man sehen. Das gilt übrigens auf längere Sicht auch für den Friedhof.
Es hat schon ein erstes Treffen zwischen Vertretern der Kirche und der Kommunen auf Kirchenkreisebene gegeben. Konkrete Beschlüsse gab es noch nicht, das war auch nicht geplant. Der Kirchenkreis hat beschlossen, Stiftungen zu unterstützen, die gegründet werden, um den Erhalt der Gebäude zu finanzieren. Aber der Grundstock einer solchen Stiftung muss von uns kommen, von hier aus unserem Dorf.
Wenn alles nicht reicht, kann am Ende die sogenannte Entwidmung der Kirche stehen. Das heißt im Klartext: sie wird nicht mehr als Kirche genutzt. Das wäre die letzte Möglichkeit, die niemand möchte.
Wahrscheinlich muss man so oder so die Zahl der Sonntagsgottesdienste reduzieren, anders ist es wohl mit einem Pastor für 4 Gemeinden gar nicht möglich. Es sei denn, wir können die halbe Pastorenstelle besetzen, dann sieht es wieder anders aus.
Ein besonderes Problem sind dann hohe Feiertag wie Ostern oder Weihnachten. In diesem Jahr haben wir am Heiligabend alleine 3 Gottesdienste, kaum vorstellbar, dass das in Zukunft so bleiben wird.
Was aus dem Pastorat wird, ist ebenso unsicher. Im Obergeschoß sind die Gemeinderäume, das Gemeindebüro, das Amtszimmer und der große Gemeindesaal, wo das Gemeindeleben weitgehend stattfindet.
Unten ist die Pastorenwohnung. Da es eine Dienstwohnung ist, werden wir irgendwann im nächsten Sommer dort ausziehen.
Sollte sich jemand für die halbe Pastorenstelle finden, könnte er oder sie mit seiner Familie dort einziehen. Der Pastor zahlt eine reguläre Miete, wovon der laufende Betrieb wohl weitgehend bezahlt werden könnte.
Sollte sich niemand finden, der die halbe Pastorenstelle in der Wilstermarsch annimmt, würde das Pastorat wahrscheinlich frei vermietet. So ist es zum Beispiel in Beidenfleth schon seit Jahren.
Auch hier ist das Problem, dass größere Reparaturen nicht mehr zu finanzieren sind. Während es für die Kirche möglicherweise klappen könnte, dass Menschen sich finanziell dafür engagieren, zum Beispiel über einen Förderverein, so scheint mir das für ein Haus wie das Pastorat doch sehr unwahrscheinlich.
Die Alternative wäre zum Beispiel ein Verkauf des Gebäudes für eine andere Nutzung. Theoretisch könnte man im Obergeschoss auch eine Wohnung schaffen, aber für den Umbau fehlt das Geld.
4. Was ist die Alternative?
Es gibt Überlegungen, dass die Kirchengemeinden der Wilstermarsch sich zu einer einzigen Gemeinde zusammenschließen. Ein erstes Gespräch der betroffenen Kirchengemeinderäte hat kürzlich stattgefunden.
Die Stimmung war gemischt: es gibt viel Skepsis, aber auch eine gewisse Aufbruchstimmung. Dieser Weg wird unter anderem von Propst Paar favorisiert.
Die Vorteile einer einzigen Kirchengemeinde wären: es gibt nur noch einen Kirchengemeinderat, für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nur noch einen verlässlichen Anstellungsträger, es gibt nur noch einen Haushalt und das vereinfacht die Verwaltung enorm.
Mehr Geld steht dadurch natürlich nicht zur Verfügung, aber es gibt eine größere Beweglichkeit, die Mittel hin- und her zu schieben.
Wenn wir eine einzige Kirchengemeinde in der Wilstermarsch sind, könnte das Geld der Gemeinschaft aller 5 Kirchengemeinden eingesetzt werden. Aber das ist dann die demokratische Entscheidung des neuen gemeinsamen Kirchengemeinderats, wofür das Geld ausgegeben wird.
Wahrscheinlich wäre es so, dass aus jeder der kleinen Gemeinden Vertreter im neuen, großen KGR sitzen. Wo die Prioritäten gesetzt werden, muss jeweils ausgehandelt werden. Wo ist der Bedarf am dringendsten? Welche Maßnahme an welchem Gebäude ist vordringlich?
Sondierungsgespräche haben inzwischen begonnen, in denen die Chancen und Risiken eines solchen Weges in eine einzige Kirchengemeinde Wilstermarsch ausgelotet werden sollen. Daran nehmen wir teil, ohne uns schon darauf festzulegen, dass dieser Weg tatsächlich beschritten wird. Grundsätzlich möchten wir unsere Eigenständigkeit bewahren, so lange es möglich ist
Das vorläufige Fazit:
Es kommen so oder so Veränderungen auf unsere Kirchengemeinde zu. Es war in dieser Übersicht viel von Problemen die Rede, die damit verbunden sind. Diese Probleme sind auch schwerwiegend. Trotzdem bin ich zuversichtlich, weil ich glaube, dass Wewelsfleth für seine Kirchengemeinde zusammen stehen wird.
Es wird Veränderungen geben, die uns nicht gefallen. Aber vielleicht kann auch Neues entstehen und manches neu aufblühen.
Und am Ende liegt alles auch nicht auf unseren Schultern. Sondern in Gottes Hand. Auf seinen guten Geist hoffe ich, und dann werden wir es schon schaffen, diese Kirchengemeinde auch zu erhalten.
Viel wird davon abhängen, dass Menschen hier im Dorf erkennen, wie wichtig ihnen ihre Kirche und ihre Kirchengemeinde ist.
Es liegt auch an uns.
Ihr und Euer
Pastor Jens Siebmann