Wort zum Sonntag

Warum Kloster ?

 

Ich hatte gerade das Vergnügen einen Bericht über meineerste Klosterzeit zu schreiben. Dabei tauchte die Frage auf: Sollte man vor oder nach dem Stress ins Kloster gehen?

Für mich ist die Antwort ganz klar, vorher.  Wir tun es aber nicht, oder viel zu wenig.  Das hat auch etwas mitSelbsterkenntis und Mut zutun. Ich selbst habe mich damals auch nicht getraut, mir einzugestehen, dass jetzt etwas passieren musste. Ab in die Klinik, oder etwas anderes. Da kam der Wunsch hoch, den ich schon seit vielen Jahren in mir hegte, Du möchtest ins Kloster!

Gedacht und mit der Familie besprochen und dann ging alles ganz schnell. Ab ins Internet und ein Kloster suchen. Augen zu und ein Kloster herausgesucht bei dem ich ein gutes Gefühl hatte. Nach einem kurzen Telefonat mit dem Gastpater war alles klar, und 3 Tage später saß ich im Zug nach Süddeutschland. Bis zum Bodensee und ins junge Donautal.

Eine herrliche Landschaft, genau das richtige für meine ramponierte Seele.

Das Kloster hat einen eigenen Bahnhof, so konnte ich bis vor die Klostertür fahren. Es ist ein sehr übersichtlicher Ort mit 130 Bewohnern.

Keinen Lärm mehr, nach der anstrengenden und lauten Zugfahrt durch Deutschland. Stille – ich war da.

Der Klosteralltag war gleichmäßig strukturiert aber ließ reichlich Spielraum für Gespräche und Kennenlernen neben den Gottesdiensten.

Schwierig einzuhalten war ein dreitägiges Schweigen in der Gruppe.

Immer wieder erwischte ich mich beim Sprechen.Aber nach drei Tagen durften wir wieder sprechen.

Das Schweigen wurde auch von Einzelpersonen durchgeführt.

Eines Tages war ein ehemaliger Soldat zu Besuch, der im Kosovo und im Irak gedient hatte er wollte 3 Tage bleiben, sprach aber nicht mit uns. Ich hatte den Eindruck, dass er einiges mit sich herumtrug und die Ereignisse rund um die Kriege schwer auf seiner Seele lagen. Er war bereits 76 Jahre alt und  hat beschlossen, während seinem Klosteraufenthalt zu schweigen. Da er aber durch unsere Gesprächsrunden  viel von uns erfahren hatte, wollte er uns seine Geschichte erzählen.

Er gab zu, getötet zu haben, und ist trotzdem Soldat geblieben.. Wenn ich mir aber dieses Leben vorstellen soll, könnte ich nicht mit seiner Schuld leben. Kein Mensch, kein Sohn oder keine Tochter sollte dazu  ermutigt werden. Auch wenn diese Menschen körperlich gesund aus einem Einsatz nach Hause kommen, so sind doch viele gebrochen an ihrer Seele.

Aber trotzdem gibt es immer wieder Kriege. Gerade im Hinblick auf das  Ende des 1. Weltkrieges, das sich gerade zum 100tenMal jährte, sollte es uns eine Mahnung sein und all unsere Kraft gegen das Vergessen einsetzen.

 

 

Es lohnt sich, denn der Lohn ist ein Leben in Frieden und Freiheit.

Den jungen Menschen gebe ich eine Lebenshilfe mit auf dem Weg:

 

Fragt euch:

 

Wer bin ich, wo kommeich her und wo willich hin.

 

Alleindiese Erkenntnis aus meinen Klosteraufenthalten machte die Besuche zurwertvollen Lebenshilfe. Sie sollten diese Lebenshilfen auchsuchen und dabei Natur, Stille und Ruhe genießen lernen.

Suchen Sie in der Ferne oder auch in der Nähe. Lassen Sie durch angenehme Gesprächspartner mit viel Lebenserfahrung neue Erfahrungen in ihr Herz –

Und sagen Sie auch gerne einmal „Nein“, wenn es nicht Ihr Weg ist.

 

Ich wünsche Ihnen einen besinnlichen Sonntag

und uns eine friedvolle Vorweihnachtszeit.

Ihr

Hans-Hermann Lindemann

 

 

Wir veröffentlichen unser geistliches Wort  wöchentlich im "Keesblatt", einem Anzeigeblatt für die Wilstermarsch. An dieser Stelle erscheint jede Woche ein aktuelles "Wort zum Sonntag", die "Online-Version".

 

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