Was hält uns?

 Die Spinne saß in ihrem Netz, es war ein supergutes Netz, sie hatte gleichmäßige Streben gewoben, keine Fliege konnte sich befreien, morgens glänzte es schön in der aufgehenden Sonne, es war perfekt. Sie war perfekt. Leider konnte sie ihren Ruhm mit niemandem teilen. Die Fliegen hatten kein Ohr für sie und ihr Männchen hatte ihr auch gut geschmeckt, also musste sie sich allein, an der von ihr geschaffenen Schönheit, weiden. Sie inspizierte voller Stolz ihr Machwerk, eigentlich brauchte sie auch niemanden, der sie lobte, wenn man acht Beine hat, kann man sich gleichzeitig auf die Schulter und stolz auf die Brust klopfen. Bei der heutigen genauen Inspektion kontrollierte sie jeden Faden, nichts sollte die Symmetrie stören, sie war zufrieden, bis sie an einen Faden kam, der senkrecht nach oben lief. Ihr Gespür für Spinnen-Feng-Shui sagte ihr: der muss weg! Schwubst biss sie in durch und das Netz fiel zu einer hässlich klebrigen Masse zusammen. Sie hatte den Faden vergessen, mit dem einmal alles begonnen hatte, an dem alles hing.

 „Alles was ich habe, habe ich selbst geschafft, ich brauche keinen Gott und es hat mir auch kein Gott dabei geholfen“, sagte einmal ein junger Mann zu mir, im besten mir-gehört-die-Welt-Alter. Ich dachte nur, „Bengel, hoffentlich musst du nie erfahren, wie wenig dein tolles Auto und deine Traumwohnung wert sind, wenn du nach dem Schonwaschgang plötzlich in den Schleudergang des Lebens gerätst.“

Und jeder erlebt irgendwann seinen persönlichen Schleudergang. Die Frage für mich ist nur, an welcher Leine ich danach hänge, welcher Lebensfaden mich hält.

 Ich wünsche Ihnen und mir, dass unser Lebensfaden, auf den wir uns verlassen, nicht aus einem Spinnenposche kommt.

Es muss doch etwas Haltbareres geben, etwas Unkaputtbares!

Ich kann mir nicht helfen, ich glaube, dafür gebrauche ich einen Gott, auf weniger kann ich mich nicht verlassen, denn das Leben ist nicht zimperlich, da ist das Beste gerade gut genug.

 Einen schönen Sonntag

Ihre Beritt Mahrt

 

  Wir veröffentlichen unser geistliches Wort  wöchentlich im "Keesblatt", einem Anzeigeblatt für die Wilstermarsch. An dieser Stelle erscheint jede Woche ein aktuelles "Wort zum Sonntag", die "Online-Version".

 

Herausgeber: Arbeitsgemeinschaft der Kirchengemeinden in der Wilstermarsch
Verantwortlich: Pastor Jens Siebmann, Schulstraße 2, 25599 Wewelsfleth,
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